10.02.2026
Schwerte, Katholische Akademie

Jahrestagung der Vereinigung Katholischer Religionslehrerinnen und -lehrer an Gymnasien und Gesamtschulen zum Verhältnis von Judentum und Christentum

Am 4. und 5. Februar 2026 versammelten sich Religionslehrerinnen und -lehrer aus dem Erzbistum Paderborn sowie weitere Gäste zur Jahrestagung der VKRG. Unter dem Leitwort „Ihnen sind die Worte Gottes anvertraut“ (Röm 3,2) widmete sich die Tagung dem Verhältnis des Christentums zum Judentum.

Den inhaltlichen Auftakt am Mittwochvormittag bildete der Vortrag von Prof. Dr. Lutz Doering. Unter dem Titel „Christusgläubige und Volk Israel – Modelle ihrer Verhältnisbestimmung im Neuen Testament und in seiner Rezeption“ ging er der Frage nach, wie sich eine Substitution Israels vermeiden lässt. Anhand neutestamentlicher Texte, insbesondere aus den Paulusbriefen und dem Matthäusevangelium, zeigte Doering auf, wie komplex und vielschichtig das frühe christlich-jüdische Verhältnis war und dass pauschale Ersetzungsmodelle weder dem biblischen Befund noch einer verantworteten Theologie gerecht werden. Die intensive Aussprache zu seinen Ausführungen machte deutlich, wie sehr diese exegetischen Fragen bis heute das Selbstverständnis christlicher Theologie und religiöser Bildung berühren.

Am Nachmittag richtete Prof. em. Dr. Katharina von Kellenbach den Blick auf die Gegenwart religiöser Bildung. In ihrem Vortrag „Bildstörungen: Religion antisemitismuskritisch unterrichten“ analysierte sie tradierte Denkmuster und Bilder, die unbewusst antisemitische Stereotype fortschreiben können. Zugleich ermutigte sie zu einer reflektierten Unterrichtspraxis und zeigte an Beispielen aus der „Guten Nachricht – Geschichten von Jesus für Kinder fair erzählt“ (erschienen im Ariella-Verlag), wie ganz bewusst Verantwortung dafür übernommen werden kann, die christliche Botschaft nicht mit antijüdischen Anklängen und anderen Formen der Diskriminierung zu erzählen.

Ein besonderer Akzent des ersten Tages lag auf der abendlichen Podiumsdiskussion zum christlich-jüdischen Dialog heute und in Zukunft. Unter der Moderation von Vertretern der VKRG diskutierten Erzbischof Dr. Udo Markus Bentz, Monika Schrader-Bewermeier (Katholische Vorsitzende der GcjZ Paderborn), Prof. em. Dr. Katharina von Kellenbach und Alexander Sperling (Geschäftsführender Vorsitzender der jüdischen Gemeinden in Westfalen-Lippe) über Formen des Engagements gegen Antisemitismus. Deutlich wurde, dass institutionelle Stellungnahmen allein nicht ausreichen. Gefordert sind persönliche Haltung, Zivilcourage und eine klare Grenzziehung gegenüber antisemitischen Positionen – auch im schulischen Alltag. Damit griff die Diskussion zentrale Herausforderungen auf, die viele Teilnehmende aus ihrer pädagogischen Praxis kennen.

Der zweite Tag der Tagung verband historische Analyse mit konkreten didaktischen Impulsen. Dr. h.c. Andreas Mertin zeigte in seinem Vortrag „Wenn Bilder töten“ eindrücklich, wie antijüdische Motive in der christlichen Kunst aber auch in islamistischen Karikaturen zur Verfestigung von Vorurteilen beigetragen haben und noch immer beitragen. Diese kunst- und mediengeschichtliche Perspektive sensibilisierte für die Macht von Bildern und ihrer nachhaltigen Wirkung.

 

In zwei Workshop-Phasen konnten die Teilnehmenden anschließend vertiefend arbeiten. Die Angebote reichten von interreligiösem Lernen über die Arbeit mit biografischen Quellen zur Verfolgung von Jüdinnen und Juden bis hin zu neuen Materialien zur Prävention von Antisemitismus und zur Demokratiebildung im Religionsunterricht. Besonders wertvoll war dabei der Austausch über unterschiedliche schulische Erfahrungen und regionale Kontexte, der die Tagung als Lern- und Begegnungsraum prägte.

Abgerundet wurde die Jahrestagung durch eine Gedenkandacht, die dem theologischen und pädagogischen Arbeiten einen spirituellen Rahmen gab und an die Opfer des Nationalsozialismus erinnerte. Hierzu deutete der Akademiedirektor Mrsg. Dr. Menke-Peitzmeyer die Ausführungen in Kohelet 8,9-14,16 zur Unverfügbarkeit Gottes dahingehend, dass Gott gerecht ist, ohne kalt zu sein und dass er am Ende das Unrecht nicht mit einem Achselzucken stehen lässt.

Insgesamt wurde in Schwerte deutlich: Die Auseinandersetzung mit dem Verhältnis von Christentum und Judentum ist keine rein historische Aufgabe, sondern eine bleibende Verpflichtung. Für den Religionsunterricht bedeutet dies, theologische Reflexion, historische Verantwortung und gesellschaftliches Engagement zusammenzudenken. Die Jahrestagung 2026 hat hierfür wichtige Impulse gegeben.